Chrüppelrunde auf den Rappenstein

Veröffentlicht am 2. Juli 2026 um 22:03

Fährt man die Traversen hinauf nach Malbun, fallen im Süden sofort die schier unerreichbar wirkenden Berge ins Auge. Was ich jahrelang für den Falknis gehalten habe, entpuppte sich als der Rappenstein oder wie er in Liechtenstein auch genannt wird: Rappastein. Tatsächlich sind diese Gipfel im Vergleich zu anderen Bergen aus diesem Projekt, wie den Grauspitzen oder dem Plasteikopf, überraschend gut erreichbar.

Am Ende dieser Rundtour standen gleich fünf Gipfel auf meiner Liste. Den Hochspeler (2345 m) habe ich aufgrund von Knieproblemen beim Abstieg ausgelassen. Wahrscheinlich machten sich noch die Touren der Vorwoche bemerkbar: Am Freitag war ich auf den Grauspitzen unterwegs und direkt danach absolvierte ich meinen Hochtourenkurs am Grossglockner. Wirklich traurig bin ich darüber aber nicht, denn die Goldlochspitz (2110 m) und den Kolm (1993 m) habe ich ohnehin ohne Gipfelfoto einfach überschritten, dementsprechend bin ich nochmals in dem Gebiet unterwegs. Beide Gipfel besitzen weder ein Gipfelkreuz noch ein Gipfelbuch, und mir war gar nicht bewusst, dass es sich um eigenständige Berge handelt.

Für die gesamte Rundtour sollte man (ausgenommen Trailrunner) etwa 6 bis 8 Stunden einplanen. Ich selbst war rund 7 Stunden unterwegs, bin aber mehrfach zu Gipfeln zurückgelaufen, um beispielsweise den höchsten Punkt des Heubüals zu finden oder mich doch noch am Hochspeler zu versuchen. Je nach Fitness und Anzahl der Gipfelpausen kann die Tour also auch deutlich schneller oder etwas langsamer ausfallen.

Route: (ca. 6h - 8h):
Restaurant Seeblick (Steg) – Alpe Sücka – Chrüppel – Heubüal – Kolm – Goldlochspitz – Rappenstein – Valünatal – Restaurant Seeblick (Steg)

Achtung: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich!

Blick vom Heubüal 1936m zur Goldlochspitz (2110m) und zum Rappenstein / Rappastein (2221m)

1. Alpe Sücka

Mein Wandertag begann heute um 07:30 Uhr. Aus meinem Parkfehler vom letzten Mal habe ich gelernt. Statt an der Hauptstrasse in Steg habe ich dieses Mal beim Restaurant Seeblick geparkt. Das spart pro Richtung etwa 200 Meter. Von dort ging es auf einem leicht gekiesten Wanderweg (T1) hinauf zur Alpe Sücka, wo man übrigens ebenfalls hätte parken können.

Neben dem wunderschönen Sonnenaufgang waren die Blicke in Richtung der Drei-Schwestern-Kette beeindruckend. Mein persönliches Highlight waren allerdings die scheuen Schweinchen am Nordhang der Alp, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Von der Alpe Sücka folgt man dem Wanderweg bis zu einer Abzweigung mit einem Tunnel. Diesen durchquert man nicht – er führt in Richtung Drei Schwestern – sondern hält sich links und folgt einem Feldweg. Bereits hier überquert man mehrere Stromzäune, weshalb etwas Vorsicht geboten ist.

Anschliessend wechseln sich Wald- und Wiesenabschnitte ab. Auffällig waren die unglaublich vielen Kuhfladen und erstaunlich wenige Enziane, was mich ehrlich gesagt sowohl gewundert als auch etwas enttäuscht hat. Ein kleiner Tipp: Nicht wie ich versuchen abzukürzen. Es lohnt sich deutlich mehr, auf dem offiziellen Wanderweg zu bleiben. Ansonsten muss man die verlorenen Höhenmeter später wieder aufholen und entfernt sich immer weiter von der eigentlichen Route.

Für den ersten Teil der Tour würde ich ausserdem eine lange Hose empfehlen. Der schmale Weg führt teilweise durch hohes Gras und eignet sich perfekt, um sich eine Zecke einzufangen. Insgesamt ist dieser Abschnitt aber überraschend abwechslungsreich. Man läuft sowohl durch Wald als auch über Wiesen und hat immer wieder schöne Ausblicke in Richtung Augstenberg und ins Rheintal, eine Kombination, die diese Wanderung für mich besonders macht.

 

2. Chrüppel (1706m)

Meiner Meinung nach war der Chrüppel der anstrengendste Gipfel der gesamten Tour. Zwar hat man von Steg aus bereits rund 400 Höhenmeter hinter sich, aber ich bin einfach kein Fan von langen Wald- und Wiesenwanderungen. Der weiche Waldboden kostet unnötig Kraft und als jemand, der im Hotzenwald aufgewachsen ist, bietet mir diese Landschaft ehrlich gesagt nicht besonders viel. Ich fühle mich im alpinen Gelände deutlich wohler. Dort hat man mehr Weitblick und kann die Aussicht ohne störende Bäume viel besser geniessen.

Umso glücklicher war ich, als endlich die ersten Felsen auftauchten. Kurz darauf folgten sogar ein Fixseil und eine kleine Metalltreppe. Davon hatte ich vorher im Internet nichts gelesen. Da stellt sich schon die Frage, ob ein Wanderweg wirklich noch als T1 eingestuft werden sollte, wenn Fixseile notwendig sind. Persönlich würde ich ihn eher auf dem Niveau T2 einstufen.

Der eigentliche Gipfel des Chrüppels (oder Krüppels) war dann mindestens genauso fragwürdig. Ich konnte den höchsten Punkt zunächst überhaupt nicht identifizieren und bin erst einmal etwas hin und her gelaufen. Nach rund zehn Minuten Kartenvergleich hatte ich schliesslich einen kleinen Steinturm als Gipfel ausgemacht , der vom Aussehen her ziemlich gut zum Namen passt. Achtung: Verwechslungsgefahr: Der andere Chrüppel auf dem Bild ist nur 1.79m gross.

Erreichbar ist dieser nur über leichte Kletterei und einen etwa vier Meter langen Grat. Also kurz den Gipfel berührt und wieder zurück auf den Normalweg. Interessanterweise erschien mir die Erhebung nach der Chrüppelhütte auf 1706 Metern sogar höher. Diese habe ich ebenfalls noch überschritten, weil ich zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr wusste, welcher Punkt nun tatsächlich der Chrüppel sein soll.

 

3. Heubüal / Heubühl (1936m)

Der Wald- und Wiesenweg zieht sich noch rund einen Kilometer weiter, wobei man die zusätzlichen Höhenmeter kaum bemerkt. Durch die hohen Temperaturen Anfang Juli war mein Wasserverbrauch allerdings deutlich höher als geplant. Zum Glück konnte ich mich unterwegs immer wieder etwas abkühlen.

Irgendwann überschritt ich dann die Baumgrenze und gleichzeitig auch den Heubüal, ohne überhaupt zu merken, dass ich bereits auf dem Gipfel gewesen war. Also durfte ich wieder ein paar Meter hin und her laufen, bis ich den "wahren Gipfel" gefunden hatte. Hier lohnt sich definitiv ein Blick auf eine vernünftige Karte, denn Komoot zeigt an dieser Stelle leider ziemlichen Unsinn an.

Von Strava bin ich mittlerweile komplett weg. Wenn sich die App während einer Tour versehentlich schliesst, ergänzt sie die aufgezeichnete Route teilweise völlig falsch. Künftig werde ich deshalb mit Outdooractive navigieren, die fertigen Touren aber weiterhin auf Komoot teilen, da dort einfach deutlich mehr Leute unterwegs sind.

Der Gipfel des Heubüals selbst ist eher unspektakulär. Nach den langen Waldpassagen eröffnet sich aber endlich ein schöner Blick auf die umliegenden Berge und das Rheintal, auch wenn die Bergkiefern an manchen Stellen noch etwas die Sicht versperren. Ein Gipfelkreuz gibt es hier nicht. Weder ein Gipfelbuch noch einen Steinmann konnte ich entdecken.

Über diese Route würde ich sowohl den Heubüal als auch den Chrüppel insgesamt als T2-Wanderung einstufen.

 

4. Kolm (1993m)

Vom Heubüal folgt zunächst ein kurzer, steiniger Abstieg. An ein paar Stellen darf man hier ruhig einmal die Hände aus den Hosentaschen nehmen, bevor es direkt wieder über einen etwas ausgesetzten Hang bergauf geht.

Wer an dieser Stelle bereits merkt, dass die Kräfte nachlassen, kann zwischen Heubüal und Kolm über einen Kiesweg ins Valünatal absteigen. Genau diese Variante werde ich vermutlich bei meiner nächsten Besteigung des Hochspelers wählen, um die fehlenden Gipfelfotos vom Kolm und der Goldlochspitz nachzuholen.

Nach dem kurzen Aufstieg erreicht man erneut eine Kuhweide. Hier wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Rinder bei Wolfskontakt sehr aggressiv reagieren können. Einen Wolf habe ich in Liechtenstein zwar bisher noch nie gesehen, am Schönberg konnte ich im Frühjahr allerdings eindeutige Spuren im Schnee entdecken.

Obwohl ich hier einige Fotos gemacht habe, war mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht bewusst, dass sowohl der Kolm als auch die Goldlochspitz eigenständige Gipfel sind. Ich dachte, beide würden einfach zum Grat gehören. Der Kolm (auch Kulmi genannt) besitzt weder ein Gipfelkreuz noch, soweit ich gesehen habe, einen Steinmann. Beim nächsten Mal werde ich darauf genauer achten. Mehr über diesen Gipfel gibt es dann im Blogartikel zur Hochspeler-Besteigung.

 

5. Goldlochspitz (2110m)

Nachdem man den Kolm überschritten hat, wird die Tour endlich richtig alpin. Der Schwierigkeitsgrad steigt nun von T2 auf T3 an.

Der Weg führt über einen ausgesetzten Grat, bei dem ich mehr als einmal unsicher war, ob der Wanderweg tatsächlich noch weitergeht. So näherte ich mich der Goldlochspitz völlig unbewusst und überschritt den Gipfel, ohne überhaupt zu wissen, dass ich gerade auf der Goldlochspitz stand.

Neben dem schmalen Grat wartet hier auch die Schlüsselstelle der gesamten Tour. Zunächst muss auf der Nordseite eine kurze Passage mithilfe eines Fixseils überwunden werden. Anschliessend folgt eine kleine Kletterstelle in Richtung Rappenstein. Trailrunner rennen darüber wahrscheinlich einfach hinweg, ich habe mir lieber etwas mehr Zeit genommen.

Auf dem Bild sieht man den Gipfel der Goldlochspitze mit dem Rappenstein im Hintergrund. Das Gras wirkt dort harmloser, als es tatsächlich ist. Ein falscher Schritt, und das kann sehr unangenehm enden.

Ausführlicher werde ich auf die Goldlochspitz im Hochspeler-Blog eingehen. Auch dieser über 2000 Meter hohe Gipfel besitzt weder ein Gipfelkreuz noch konnte ich einen Steinmann entdecken, was für Liechtenstein durchaus ungewöhnlich ist.

 

6. Rappenstein / Rappastein (2221m)

Nachdem die Schlüsselstelle der Goldlochspitz geschafft ist, erreicht man eine Weggabelung. Hier entscheidet sich, ob man den Rappenstein besteigt oder dem langen Alpinweg in Richtung Falknis folgt. Da ich bis dahin bereits zu viel Zeit verloren hatte und mir die zusätzlichen viereinhalb Stunden bis zum Falknis sparen wollte, fiel die Entscheidung auf den Rappenstein.

Der Weg führt über mehrere Fixseile, bevor man eine flachere Wiesenfläche erreicht. Obwohl hier weder Kühe noch anderes Weidevieh unterwegs sind, hört man ständig Schafe vom Gapfahl-Obersäss herüber.

Der Rappenstein selbst ist ein wunderschöner Aussichtsgipfel. Von hier blickt man tief ins Rheintal, auf das Liechtensteiner Oberland sowie zur Grauspitzkette mit Falknis und Naafkopf. Die vom Liechtensteiner Alpenverein angegebene Schwierigkeit T3 kann ich hier absolut unterschreiben.

Folgt man vom Gipfelkreuz einem kleinen Trampelpfad nach Osten, erkennt man bereits den weiteren Weg in Richtung Hochspeler. Einen ersten Versuch habe ich allerdings nach wenigen Minuten abgebrochen. Mein rechtes Knie machte sich deutlich bemerkbar. Die Tour auf die Grauspitzen und der Hochtourenkurs am Grossglockner in der Vorwoche steckten wohl doch noch in den Gelenken.

Der Hochspeler steht deshalb definitiv noch einmal auf dem Plan, zusammen mit dem Kolm und der Goldlochspitz, damit ich dort auch ordentliche Gipfelfotos machen kann. Ausserdem konnte ich von hier zum ersten Mal den Plasteikopf genauer betrachten. Wie man diesen Berg vernünftig besteigt, ist mir bis heute allerdings ein Rätsel.

Für mich ging es deshalb mit schmerzendem Knie über das Gapfahl-Obersäss ins Valünatal hinunter. Hier habe ich zum ersten mal seit 6h Menschen gesehen. Zu diesem Zeitpunkt waren meine 1,5 Liter Wasser komplett aufgebraucht, lediglich meine 0,5 Liter Elektrolytlösung hatte ich noch übrig. Das Valünatal zog sich länger als erwartet, insgesamt hielt sich der rund zweieinhalbstündige Abstieg aber in Grenzen. Die Wege sind grösstenteils breit und gut begehbar beziehungsweise befahrbar. Genau diese Route werde ich vermutlich auch für meine geplanten Touren auf den Falknis und den Mazorakopf nutzen, um etwas Zeit und Kraft zu sparen.

 

Fazit

Die Rundtour über Chrüppel, Heubüal, Kolm, Goldlochspitz und Rappenstein gehört für mich zu den abwechslungsreichsten Wanderungen in Liechtenstein. Sie beginnt mit gemütlichen Wald- und Wiesenwegen, entwickelt sich aber spätestens ab der Goldlochspitz zu einer echten alpinen Tour mit ausgesetzten Passagen, Fixseilen und einer kurzen Kletterstelle.

Wer den Rappenstein über diese Route besteigen möchte, sollte trittsicher sein und vor allem auf den letzten Kilometern genügend Konzentration mitbringen. Gleichzeitig wird man mit einer grandiosen Aussicht auf das Rheintal, das Liechtensteiner Oberland sowie Falknis, Naafkopf und die Grauspitzkette belohnt.

Mit meinen Knieproblemen musste ich den Hochspeler dieses Mal auslassen. Das sehe ich aber eher als guten Grund, noch einmal zurückzukommen. Zusammen mit dem Kolm und der Goldlochspitz stehen dort ohnehin noch einige Gipfelfotos aus. Auch der Falknis und der Plasteikopf warten noch auf mich.

Insgesamt ist diese Tour eine klare Empfehlung für alle, die in Liechtenstein einmal eine weniger bekannte, aber landschaftlich beeindruckende Rundwanderung unternehmen möchten. Besonders die Kombination aus ruhigen Waldabschnitten, alpinen Graten und mehreren Gipfeln macht diese Route für mich zu einer der abwechslungsreichsten Touren des Projekts.

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