Die kleinsten "Berge" Liechtensteins

Veröffentlicht am 12. Juli 2026 um 20:46

Das "kleine" Malbuner Hufeisen

Gefühlt passiert es nur einmal im Jahrzehnt, dass meine Frau und ich am Wochenende gleichzeitig Zeit haben. Darum habe ich sie (wer hätte es gedacht) nach Liechtenstein mitgenommen, um sie an mein Projekt heranzuführen.

Im Gegensatz zu mir ist sie fotografisch wirklich begabt, was diesem Projekt enorm zugutekommt. Planmäßig wollten wir über ein kleineres Malbuner Hufeisen (ohne Girastein und Nospitz) auf den Gorfion steigen. Da wir allerdings am Samstag zuvor auf der unglaublich schönen Hochzeit eines langjährigen Freundes eingeladen waren, hatte ich aufgrund der Autofahrt tatsächlich nur zwei Stunden Schlaf intus.

Am Ende stand der aufgrund seiner steilen Felswände ziemlich abweisend wirkende Gorfion deshalb nicht auf unserer Gipfelliste. Das kleinere Malbuner Hufeisen konnten wir dafür aber problemlos absolvieren.

Böse bin ich darüber überhaupt nicht. Die Tour wollte ich ohnehin noch einmal gehen, um bessere Bilder für Peaking Liechtenstein zu machen. Außerdem kann ich den Gorfion später ideal mit der Pfälzerhütte und dem Naafkopf kombinieren. Damit wäre eines meiner Hauptgebiete abgeschlossen und ich könnte die Südseite von Malbun (mit Ausnahme der für mich noch offenen Kirchlespitz) hinter mir lassen.

Route: (ca. 4h - 6h):
Malbun – Silberhorn – Augstenberg – Spitz – Malbun

Achtung: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich!

Blick vom Augstenberg (2358m) auf die Krone Liechtensteins (Gorfion 2308m). Obwohl er für Laien unbesteigbar aussieht wird er oft von Trailrunnern begangen.

Das "kleine" Malbuner Hufeisen

Zusammengefasst starteten meine Frau und ich die Besteigung des Silberhorns (2150 m) direkt in Malbun. Über wunderschöne Blumenwiesen geht es auf einem querenden Pfad hinauf auf den Grat des Silberhorns, wo wir zum ersten Mal eine Pause einlegten. Die Julihitze machte uns beiden hier ordentlich zu schaffen.

Am Gipfel des Silberhorns traf ich dann einen Mann mit seinem Hund wieder, den ich bereits zwei Monate zuvor auf der Alpspitz kennengelernt hatte. Mehr zu diesem Gipfel gibt es in einem kommenden Blogbeitrag.

Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es weiter auf den
Augstenberg (2358 m). Tatsächlich gefällt mir die Route in dieser Reihenfolge deutlich besser. Der Grund ist die Wegfindung. Vom Augstenberg zurück auf den Grat des Silberhorns hatte ich bei meiner Erstbesteigung im Mai den Weg verloren und musste etwa drei Höhenmeter abklettern, um wieder auf den Pfad zu gelangen.

Ich persönlich würde die Route mittlerweile als T3 einstufen. Zwar hatte ich selbst keine Probleme, meine Frau musste aber an ein oder zwei Stellen doch die Hände aus den Hosentaschen nehmen. Wer das Silberhorn als Ziel hat, sollte meiner Meinung nach den direkten Aufstieg von Malbun wählen. Das spart Kraft und ist insgesamt die einfachere Variante.

Auf dem Augstenberg selbst war heute einiges los. Sonntags scheinen extrem viele Menschen auf diesen markanten Liechtensteiner Gipfel zu pilgern. Nach einem kurzen Abstecher in Richtung Pfälzerhütte wurden wir allerdings vom Anblick des Gorfions abgeschreckt. Interessant fand ich, dass der offizielle Instagram-Account Liechtensteins am Vortag noch einen Trailrunner gezeigt hatte, der dort scheinbar mühelos hinaufgesprintet ist. Es muss also einen vergleichsweise einfachen Anstieg mit einer kurzen Kletterpassage geben. Der Gorfion selbst wird vom Liechtensteiner Alpenverein (LAV) mit T3 bewertet. Man sollte also einfach einmal näher an den Gipfel herangehen, um den richtigen Weg zu finden.

Da wir uns gegen den Gorfion entschieden hatten, ging es über den Fürstin-Gina-Weg zurück. Unterwegs nahmen wir noch den Spitz (2186 m) mit. Genau wie auf dem Augstenberg konnte ich auch hier kein Gipfelbuch finden. Nachdem ich gesehen habe, wie viele Menschen dort unterwegs waren, ist das aber auch verständlich. Von dort aus ging es schließlich gemütlich zurück nach Malbun.

Hinter Gantenstein und Eschnerberg

Blick zwischen Hinterer Gantenstein und Eschnerberg nach Österreich

Neue Routen zu erkunden ist zwar immer spannend und bringt oft neue Erkenntnisse, dennoch liegt der Fokus dieses Projekts ganz klar auf dem Peakbagging. Da ich bis zum Mittag bereits einige Kilometer in den Beinen hatte, entschied ich mich spontan dazu, noch die beiden "Hausberge" der Gemeinde Schellenberg zu besteigen.

Dabei handelt es sich nicht nur um die niedrigsten Berge Liechtensteins, sondern auch um die einzigen Gipfel im Unterland. Mit einer Schwierigkeit von T1 sind beide Berge kaum anspruchsvoll und können sogar mit Kinderwagen begangen werden. Ich selbst habe die Gelegenheit genutzt, mich einmal im Trailrunning zu versuchen und frage mich erneut, warum man sich freiwillig so etwas antut. :D

Alpinistisch sind die beiden Gipfel so unbedeutend, dass Google sogar die falschen Gipfelpositionen anzeigt. Ich musste also wieder einmal auf OpenTopoMap zurückgreifen, um die tatsächlichen Standorte zu finden.

Route: (ca. 15min - 1h):
Hinter Schellenberg – Hinter Gantenstein – Eschnerberg – Hinter Schellenberg

Familien mit kleinen Kindern, Kinderwagen sowie Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

1. Aufstieg und Hinterer Gantenstein (695m)

Von Hinterschellenberg aus geht es zunächst einige Höhenmeter bergauf, bis man ein kleines Waldstück erreicht. Hier beginnt auch schon ein schöner Waldpfad, der durch einen Eichenmischwald in Richtung Hinterer Gantenstein führt. Dort befindet sich ein beeindruckender Findling.

Der Findling selbst ist der größte seiner Art in Liechtenstein. Er wurde von den eiszeitlichen Gletschern, welche das Rheintal noch vor rund 10.000 Jahren bedeckten, an seinen heutigen Standort transportiert. Der offiziell topografische Gipfel liegt allerdings nicht direkt beim Findling, sondern ein kleines Stück weiter hinten im Wald.

 

 

2. Eschnerberg (697m) und Abstieg

Vom Hinteren Gantenstein folgt man dem Waldpfad konsequent in nordöstlicher Richtung. Unterwegs informieren mehrere Tafeln über die Schlacht bei Feldkirch und die Ereignisse während der Franzosenkriege. Unter anderem wird beschrieben, dass französische Truppen 1799 vier Männer erschossen, Frauen misshandelten sowie Liechtenstein besetzten und plünderten.

Der Weg in Richtung Eschnerberg bietet angenehm kühle Luft, viel Schatten und immer wieder schöne Ausblicke ins Tal in Richtung Eschen und Österreich. Der Eschnerberg selbst besitzt weder ein Gipfelkreuz noch eine Markierung. Mein Gipfelfoto entstand deshalb direkt auf dem topografischen höchsten Punkt, mitten im Wald.

Ab und zu komme ich mir bei diesem Projekt schon etwas seltsam vor. Neben der Besteigung des Chrüppel war das definitiv einer dieser Momente.

 

Fazit

Alpinistisch haben der Hintere Gantenstein und der Eschnerberg nicht viel zu bieten. Wer spektakuläre Grate, Klettereien oder aussichtsreiche Gipfel sucht, wird hier eher enttäuscht sein. Trotzdem gehören beide Berge zu Liechtenstein und damit auch zu meinem Projekt. Gerade solche unscheinbaren Gipfel machen Peakbagging für mich aus. Man entdeckt Orte, an denen man sonst wahrscheinlich nie vorbeikommen würde, lernt nebenbei etwas über die Geschichte des Landes und kann zwei der selten besuchten Liechtensteiner Gipfel von seiner Liste streichen. Über die gesamte Tour Rund um Eschnerberg und Hinterer Gantenstein habe ich nicht eine Person gesehen, auch Liechtensteiner scheinen diese Berge also nicht zu beachten. 

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