Läuft man in Richtung des Schönbergs von Malbun, aus fällt der Blick nach Norden sofort auf einen markanten, fast pyramidenförmigen Gipfel, den Galinakopf. Schon bei meiner Winterbesteigung des Schönbergs hatte ich diesen Berg im Visier. Damals hielten mich jedoch eine massive Schneewand und der unbekannte Routenverlauf davon ab, den Gipfel in Angriff zu nehmen.
Auf dem Weg zum Galinakopf zweigen zudem die Routen zum Schönberg, Ochsenkopf und Ziegerbergkopf ab. Letzterer wurde auf Hikr.org bislang nur einmal dokumentiert bestiegen und zählt damit zu den unbekanntesten Gipfeln Liechtensteins. Ursprünglich hatte ich vier Gipfel (unter anderem Ziegerbergkopf und Scheienkopf) für diese Tour geplant. Aufgrund des Zeitaufwands und des anspruchsvolleren Geländes blieben am Ende der Galinakopf und der etwas mühsam zu erreichende Wurmtalkopf auf meiner Liste.
Für die Rundtour solltest du (je nach Fitness) etwa 3 bis 5 Stunden einplanen. Die Schlüsselstelle befindet sich am Gipfelgrat des Galinakopfs. Dort sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas alpine Erfahrung erforderlich. Wer diese Passage gemeistert hat, wird mit einem beeindruckenden Panorama über das Malbun und die umliegenden Gipfel belohnt.
Route: (ca. 3h - 5h):
Malbun – Galinakopf – Wurmtalkopf– Malbun
Achtung: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich!
Blick auf den Grat des Galinakopf (2198m)
1. Aufstieg aus Malbun
Um 07:00 Uhr startete ich wieder einmal von einem der kostenlosen Parkplätze in Malbun. Von hier aus gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten für den Aufstieg. Ich entschied mich erneut für den Standardweg, den ich bereits bei meiner Winterbesteigung des Schönbergs genutzt hatte.
Die ersten Kilometer verlaufen angenehm und sind nur mäßig steil. Hat man das Sassförkle überschritten, erkennt man unser heutiges Hauptziel bereits gut in der Ferne. Der Weg führt vorbei an der Schönbergkette und dem Ochsenberg in Richtung Guschgfieljoch.
Wie so oft in dieser Region wächst das Gras stellenweise bis knapp über die Knie. Ich würde daher empfehlen, zumindest eine Zip-Off-Hose oder lange Wanderhose mitzunehmen. Neben der unglaublich abwechslungsreichen Alpenflora begegnet man bereits den ersten Legföhren, die auf der weiteren Route noch eine deutlich größere Rolle spielen werden.
2. Galinakopf (2198m)
Der erste richtige Anstieg beginnt nach etwa 6,5 Kilometern. Aus der Ferne wirkt der Galinakopf fast wie eine steile Felswand und sieht deutlich schwieriger aus, als er tatsächlich ist. Dieser Eindruck täuscht jedoch.
Auf dem Normalweg sind weder Kletterstellen noch Drahtseile vorhanden. Kurz vor dem Gipfel zweigt ein Pfad zum Ziegerbergkopf ab. Die letzten Meter über den Grat sind allerdings recht ausgesetzt, weshalb Schwindelfreiheit Voraussetzung sein sollte.
Direkt unterhalb des Gipfelkreuzes befindet sich außerdem ein Wegweiser. Von hier aus kann man über das Galinasättele zur Vordergampalpe in Österreich absteigen. Dieser Übergang ist jedoch als T5 eingestuft und nur für erfahrene Bergsteiger geeignet.
Obwohl der Galinakopf einer der bekannteren Gipfel Liechtensteins ist, wird er überraschend selten besucht. Mein Gipfelbucheintrag war der erste seit drei Tagen. Vermutlich liegt das daran, dass sich der Gipfel kaum in eine klassische Rundtour integrieren lässt und von Malbun aus bereits eine gute Grundkondition für rund 18 Kilometer und einige Höhenmeter erforderlich ist.
Oben angekommen wird man dafür mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt. Der Blick reicht über Vorarlberg, den Bodensee, die Schesaplana und weite Teile der österreichischen Alpen.
3. Abbruch Ziegerbergkopf (2151m)
Vom Galinakopf geht es zunächst wieder einige Höhenmeter bergab, bis man an eine Wegverzweigung gelangt. Der Pfad zum Ziegerbergkopf ist anfangs gut erkennbar, verschwindet jedoch zunehmend im dichten Legföhrenbestand.
Ich kam etwa bis zur Hälfte des Grates, als mich plötzlich eine Kreuzotter überraschte. Da ich an diesem Tag nur kurze Hosen trug, entschied ich mich lieber umzudrehen. Den Ziegerbergkopf werde ich deshalb bei einer späteren Tour gemeinsam mit dem Rucheck besteigen.
Gerade bei solchen Legföhrenbergen brauche ich noch eine bessere Strategie. Die dichten Bergkiefern kosten enorm viel Kraft und machen das Vorankommen teilweise mühsam. Selbst auf Hikr.org existiert bisher nur eine dokumentierte Besteigung des Ziegerbergkopfs. Beim nächsten Versuch werde ich definitiv besser vorbereitet sein – und vor allem mit langen Hosen zurückkommen.
4. Wurmtalkopf (2006m)
Als kleine Trainingseinheit für den Ziegerbergkopf, der auch unter dem Namen Langspetz bekannt ist, entschied ich mich stattdessen für den Wurmtalkopf. Dieser liegt direkt zwischen Galinakopf und Guschgfieljoch.
Ehrlich gesagt suchte ich zunächst eine ganze Weile nach einem halbwegs logischen Aufstieg. Wer den Gipfel auf dem einfachsten Weg erreichen möchte, kann sich gut an meiner Komoot-Aufzeichnung orientieren.
Spaß macht der Weg allerdings nicht wirklich. Auch hier ist der Pfad stark von Legföhren überwachsen. Am Ende des Tages war ich fast überrascht, keine einzige Zecke eingesammelt zu haben.
Etwa auf halber Strecke ließ ich sogar meinen Rucksack zurück, um mich besser durch das Gestrüpp kämpfen zu können. Hat man die Bergkiefern schließlich hinter sich gelassen, folgt nur noch ein kurzer Grat bis zur Grenzmarkierung.
Ein Gipfelkreuz oder Gipfelbuch sucht man hier vergeblich, was ich persönlich etwas schade finde. Dafür wird man mit einem schönen Blick ins Wurmtal und hinüber zum Galinakopf belohnt.
Den kompletten Rückweg muss man anschließend allerdings wieder durch die Legföhren zurücklaufen. Das empfand ich ehrlich gesagt sogar als unangenehmer als den Aufstieg.
5. Abstieg nach Malbun
Komischerweise nehme ich beim Abstieg nach Malbun fast jedes Mal den falschen Weg. Statt wieder am Parkplatz herauszukommen, lande ich regelmäßig beim Tourismusbüro.
Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass mir diese Variante sogar besser gefällt. Der Weg führt über den Weierböda und verläuft deutlich naturnäher als die ausgebaute Straße.
Unterwegs entdeckte ich noch einige interessante Dinge: eine Tierleber – vermutlich Überreste einer Jagd –, mehrere Steinmännchen sowie in Baumstämme geschnitzte Herzen mit Blick auf Nospitz und Augstenberg.
Nach knapp 18 Kilometern durfte natürlich auch die Belohnung nicht fehlen. Im Schlucher Treff gönnte ich mir einen Eiskaffee. Für 11 CHF zwar kein Schnäppchen, aber nach einer langen Bergtour schmeckt er gleich doppelt so gut. In Deutschland zahlt man inzwischen schließlich auch schon rund 7 € dafür.
Fazit
Der Galinakopf gehört für mich zu den schönsten, aber gleichzeitig auch unterschätztesten Gipfeln in Liechtenstein. Der Aufstieg ist technisch nie wirklich schwierig, verlangt mit rund 18 Kilometern und einigen Höhenmetern aber eine gute Grundkondition. Besonders die Aussicht vom Gipfel mit Blick auf die Schesaplana, den Bodensee und die Vorarlberger Alpen macht die Tour absolut lohnenswert.
Der geplante Abstecher zum Ziegerbergkopf hat an diesem Tag zwar nicht geklappt, gehört für mich aber eher zur Realität des Bergsteigens. Manchmal muss man akzeptieren, dass die Bedingungen oder die Ausrüstung nicht optimal sind. In meinem Fall waren die dichten Legföhren und die Begegnung mit einer Kreuzotter der ausschlaggebende Punkt, vernünftig umzudrehen. Der Berg läuft schließlich nicht weg.
Der Wurmtalkopf war dagegen eher eine spontane Ergänzung. Wer alle Gipfel Liechtensteins sammeln möchte, wird ihn sicherlich mitnehmen, als eigenständiges Tourenziel würde ich ihn jedoch nur eingeschränkt empfehlen. Der überwachsene Zustieg kostet viel Kraft und bietet im Vergleich zum Galinakopf deutlich weniger Highlights.
Insgesamt war es dennoch eine abwechslungsreiche Tour mit wunderschönen Blumenwiesen, einsamen Gipfeln und tollen Ausblicken. Den Ziegerbergkopf werde ich definitiv noch einmal in Angriff nehmen, dann aber besser vorbereitet und mit langen Hosen.
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